Der Rücken schlägt Alarm [Beitrag]

Mitarbeitende bei einer Bewegungspause im Büro zur Stärkung der Rückengesundheit

Wenn der Rücken streikt, steht mehr still als ein Arbeitsplatz...

Die Krankenstände sinken leicht, ein Grund zum Aufatmen? Nur bedingt. Denn ein vergleichsweise kleiner Teil der Erkrankungen verursacht einen großen Teil der Fehltage: Erkrankungen, die länger als sechs Wochen dauern, machen laut WIdO mehr als 40 Prozent aller Fehltage aus 1. Muskel-Skelett-Beschwerden, zu denen auch Rückenschmerzen zählen, spielen dabei seit Jahren eine große Rolle. Für Personalverantwortliche heißt das: Vertretung organisieren, Projekte umplanen, Kosten tragen, oft über Wochen. Die gute Nachricht: Genau hier lässt sich mit früher, niedrigschwelliger Prävention etwas bewegen, und zwar im wörtlichen Sinn.

„Kreuzschmerzen sind die weltweit führende Einzelursache für gesundheitsbedingte Einschränkungen."

Der Krankenstand sinkt leicht, doch Langzeitausfälle halten ihn hoch

Zunächst die gute Nachricht: Die Fehlzeiten gehen leicht zurück. AOK-versicherte Beschäftigte waren 2025 im Schnitt 23,3 Tage krankheitsbedingt abwesend, im Vorjahr waren es 23,9 Tage, im bisherigen Höchstjahr 2022 sogar 24,5 Tage 1. Bei der Techniker Krankenkasse (TK) sank der Wert von 19,1 auf 18,6 Tage je Erwerbsperson 3. Die Werte der Krankenkassen lassen sich dabei nicht direkt miteinander vergleichen.

Das Bild ändert sich, sobald man auf die Dauer der Erkrankungen schaut. Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) macht den stetigen Anstieg von Erkrankungen mit mehr als sechs Wochen Dauer für den hohen Stand verantwortlich: Sie verursachen mit über 40 Prozent den größten Anteil der Fehltage 1. Auch die TK betont, dass langfristige gesundheitliche Probleme wie Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen zwar seltener sind, durch ihre lange Dauer aber deutlich mehr ins Gewicht fallen 3.

Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören dabei zu den Dauerbrennern. Bei der AOK Bayern entfielen 2025 mit 20,3 Prozent die meisten Arbeitsunfähigkeitstage auf diese Diagnosegruppe, vor Atemwegserkrankungen (14,0 Prozent) und psychischen Erkrankungen (12,0 Prozent). Bei den Diagnosegruppen mit langer Erkrankungsdauer stehen sie dort seit Jahren auf Platz 1 4. Die TK verzeichnet 2,62 Fehltage je Erwerbsperson durch Muskel-Skelett-Erkrankungen (2024: 2,71) 3, in ihrer Auswertung belegt die Gruppe den dritten Rang der Krankheitsgruppen 5. Die Rangfolge unterscheidet sich also je nach Krankenkasse. Unstrittig ist, dass der Bewegungsapparat zu den größten Ursachen für Ausfälle zählt.

Zugleich zeigt die AOK-Auswertung, wie eng Körper und Psyche zusammenhängen: Den größten Anteil am Anstieg der Langzeiterkrankungen haben psychische Erkrankungen, die mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall die längsten Ausfallzeiten verursachen 1, 4. Auch die WHO weist darauf hin, dass Kreuzschmerzen Schlaf und Stimmung beeinträchtigen können 2. Weltweit waren 2020 rund 619 Millionen Menschen von Kreuzschmerzen betroffen, bis 2050 wird ein Anstieg auf 843 Millionen erwartet 2.

Warum Bewegungsmangel und einseitige Belastung dem Rücken zusetzen

Kreuzschmerzen haben nur selten eine klar benennbare Ursache: Bei rund 90 Prozent der Betroffenen lässt sich keine bestimmte Erkrankung oder Struktur als Auslöser identifizieren (unspezifischer Kreuzschmerz). Als Risikofaktoren nennt die WHO unter anderem geringe körperliche Aktivität, Rauchen, Übergewicht und hohe körperliche Belastung bei der Arbeit 2. Die meisten akuten Beschwerden klingen von selbst wieder ab, bei einem Teil der Betroffenen werden sie jedoch chronisch 2. Vieles von dem, was den Rücken belastet, hängt also mit Alltag und Arbeitsbedingungen zusammen, und genau dort können Unternehmen ansetzen.

Was die Studienlage zur Vorbeugung sagt, hat eine große Übersichtsarbeit mit mehr als 30.000 Teilnehmenden untersucht. Bewegung in Kombination mit Aufklärung senkte das Risiko einer Rückenschmerz-Episode um rund 45 Prozent (Risikoverhältnis 0,55; Evidenz von mittlerer Qualität), Bewegung allein um rund 35 Prozent (Risikoverhältnis 0,65; Evidenz von geringer bis sehr geringer Qualität). Rückengurte und Schuheinlagen zeigten keinen vorbeugenden Effekt. Ob Schulungen oder ergonomische Anpassungen auch Krankschreibungen verhindern, ist wegen der geringen Studienqualität unklar 6. Hinzu kommt: Der Schutzeffekt ließ über längere Zeiträume nach, weshalb die Forschenden vermuten, dass dauerhafter Schutz auch dauerhafte Bewegung erfordert 6.

Die WHO empfiehlt Erwachsenen 150 bis 300 Minuten Bewegung mittlerer Intensität pro Woche (alternativ 75 bis 150 Minuten bei hoher Intensität), dazu regelmäßige muskelkräftigende Aktivitäten. Außerdem sollen sitzende Zeiten reduziert werden, auch wenn die Datenlage keinen festen Grenzwert hergibt 7. Ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz nennt die WHO als einen von mehreren Bausteinen, um Beschwerden zu lindern und weiteren Episoden vorzubeugen, neben körperlicher Aktivität, gesundem Körpergewicht, gutem Schlaf und dem Verzicht auf Tabak 2. Bewegung steht damit an erster Stelle, die Gestaltung des Arbeitsplatzes ist eine sinnvolle Ergänzung.

Früh hinschauen statt spät reagieren: Haltung, Beweglichkeit und Arbeitsplatz im Blick

Langzeitausfälle beginnen selten über Nacht. Die meisten akuten Rückenbeschwerden klingen ab, bei manchen Menschen bleiben sie jedoch bestehen 2. Wer als Unternehmen früh hinschaut, erreicht Beschäftigte, bevor aus einer Belastung ein Ausfall wird. Dafür gibt es drei Ansatzpunkte, die sich gut kombinieren lassen.

Sichtbar machen. Ein Rückencheck liefert eine objektive Momentaufnahme: Mit der Medi Mouse® werden in rund 15 Minuten pro Person Körperhaltung, Beweglichkeit und Rückenstabilität in drei Positionen strahlungsfrei analysiert, inklusive persönlicher Auswertung und Empfehlungen durch Fachpersonal. Der Functional Movement Screen ergänzt den Blick um Beweglichkeit und Stabilität im Ganzen. Wichtig zur Einordnung: Solche Screenings sind eine Momentaufnahme und keine ärztliche Diagnose. Bei anhaltenden oder ausstrahlenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Schwäche gehört die Abklärung in ärztliche Hände 2.

Bewegung in den Alltag bringen. Da Bewegung nach aktueller Studienlage der am besten belegte Baustein der Vorbeugung ist 6, lohnt es sich, Angebote niedrigschwellig zu halten: Bewegungskurse, Impulse für kurze Pausen am Arbeitsplatz, digitale Formate für Beschäftigte im Homeoffice.

Den Arbeitsplatz prüfen. Eine Arbeitsplatzanalyse zeigt, wo sich Arbeitsbedingungen ergonomisch verbessern lassen. Auch wenn die Evidenz zu ergonomischen Maßnahmen allein begrenzt ist 6, sind sie ein sinnvoller Baustein, den die WHO ausdrücklich nennt 2.

Der besondere Vorteil: Alle drei Bausteine lassen sich in einem Gesundheitstag bündeln. Die Ergebnisse geben dem Unternehmen eine Grundlage, um weiterführende Maßnahmen gezielt zu planen, statt mit der Gießkanne zu arbeiten.

Ihr Team in Bewegung halten: Unsere Lösungen für einen starken Rücken

Company Move unterstützt Sie dabei, Rückengesundheit niedrigschwellig in Ihrem Unternehmen zu verankern:

  • Rückencheck mit der Medi Mouse® – Computergestützte, strahlungsfreie Wirbelsäulenanalyse, ca. 15 Minuten pro Person. Geprüft werden Körperhaltung, Beweglichkeit und Rückenstabilität in drei Positionen, dazu gibt es eine persönliche Auswertung und Empfehlungen durch Fachpersonal.
  • Functional Movement Screen – Analyse von Beweglichkeit und Stabilität, ca. 15 Minuten pro Person.
  • Bewegungskurse – Aktivierung & Ausgleich – Aktivierende und ausgleichende Bewegungseinheiten, auch digital verfügbar.
  • Arbeitsplatzanalyse – Ergonomische Analyse zur Optimierung Ihrer Arbeitsbedingungen, ca. 20 Minuten pro Person.
  • Webinare, Vorträge, Workshops – Digitale Formate zu verschiedenen Gesundheitsthemen, u. a. Rückengesundheit, Ergonomie und Bewegung.
  • Themenseiten: Rückengesundheit, Ergonomie und Bewegung – Überblick über Angebote und Impulse zu den jeweiligen Schwerpunkten.
  • Gesundheitstage & Module – Der Rahmen, in dem sich Rückencheck, Bewegungs- und Beratungsangebote bündeln lassen.

Ihr Entwicklungsimpuls: Veränderung ist ein Prozess

Veränderung ist ein Prozess: Warum ein starker Rücken kleine Gewohnheiten braucht

Bewegung schützt den Rücken nur so lange, wie sie Teil des Alltags bleibt: Die Forschenden der großen Übersichtsarbeit gehen davon aus, dass dauerhafter Schutz dauerhafte Bewegung erfordert 6. Das heißt nicht, dass ab morgen alles anders sein muss. Neue Gewohnheiten brauchen Wiederholung, und dass es dabei Tage gibt, an denen es nicht klappt, ist ein normaler Lernprozess und kein Zeichen mangelnder Disziplin. Entscheidend ist, klein anzufangen und dranzubleiben.

Praxis-Impuls: Die 2-Minuten-Bewegungspause

Eine einfache Routine für zwischen zwei Terminen oder Telefonaten:

  1. Aufstehen, Füße hüftbreit stellen und die Schultern fünfmal langsam nach hinten kreisen.
  2. Die Arme über den Kopf strecken, sich aufrichten und dabei ruhig ausatmen.
  3. Etwa 30 Sekunden gehen, zum Beispiel bis zum Fenster, oder ruhig auf der Stelle marschieren.

Alle Bewegungen bitte nur im schmerzfreien Bereich ausführen. Bei akuten Beschwerden oder Vorerkrankungen sollten Sie vorher ärztlichen Rat einholen. Die Bewegungspause ersetzt kein regelmäßiges Training, denn die WHO empfiehlt zusätzlich ausreichend Bewegung pro Woche 7, ist aber ein guter Einstieg, um Sitzzeiten zu unterbrechen.

Fazit

Der Krankenstand sinkt leicht, doch lange Ausfälle halten ihn hoch, und Muskel-Skelett-Beschwerden spielen dabei eine zentrale Rolle. Für Unternehmen liegt darin eine Chance: Wer früh hinschaut, Haltung und Beweglichkeit sichtbar macht und Bewegung in den Arbeitsalltag bringt, schafft die Grundlage, damit aus Beschwerden keine Langzeitausfälle werden. Die Studienlage spricht dafür, vor allem auf Bewegung zu setzen und den Arbeitsplatz als sinnvolle Ergänzung mitzudenken.

Möchten Sie den Rücken Ihres Teams gezielt stärken? Sprechen Sie uns an, gemeinsam planen wir einen Gesundheitstag mit Rückencheck, Bewegungsangeboten und Arbeitsplatzanalyse, der zu Ihrem Unternehmen passt.

Quellenverzeichnis

1 Deutsches Ärzteblatt. (2026, 16. März). AOK: Leichter Rückgang bei Krankheitstagen. Bericht zur Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Abgerufen von https://www.aerzteblatt.de/news/aok-leichter-ruckgang-bei-krankheitstagen-cc6b6cd4-98e0-4de4-8460-d37f3cd83640

2 World Health Organization. (2023). Low back pain. Fact Sheet. Abgerufen von https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/low-back-pain

3 Techniker Krankenkasse. (2026, 27. Januar). TK-Versicherte: Leichter Rückgang beim Krankenstand 2026. Pressemitteilung. Abgerufen von https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/krankenstand-2026-2211552

4 AOK Bayern. (2026, 16. März). AOK Bayern: Krankenstand 2025 leicht rückläufig. Pressemitteilung. Abgerufen von https://www.aok.de/pp/bayern/pm/default-bf1a820ca3/

5 Techniker Krankenkasse. (2026). Gesundheitsreport 2026 – Kurzübersicht Fehlzeiten. Abgerufen von https://www.tk.de/resource/blob/2214302/9c99dbb2cea6422e50c6009c50e57e37/gesundheitsreport-au-2026-data.pdf

6 Steffens, D., Maher, C. G., Pereira, L. S. M., Stevens, M. L., Oliveira, V. C., Chapple, M., Teixeira-Salmela, L. F., & Hancock, M. J. (2016). Prevention of low back pain: A systematic review and meta-analysis. JAMA Internal Medicine, 176(2), 199–208.

7 Bull, F. C., Al-Ansari, S. S., Biddle, S., Borodulin, K., Buman, M. P., Cardon, G., et al. (2020). World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine, 54(24), 1451–1462. https://doi.org/10.1136/bjsports-2020-102955

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